Blankoverordnung Physiotherapie: EX-Codes, Ampelsystem & Vergütung verständlich erklärt
Blankoverordnung Physiotherapie: EX-Diagnosegruppen, Ampelsystem, Vergütung & Pflicht-Dokumentation kompakt erklärt. Stand 2026 inkl. Praxis-Tipps von tinana.
2026-05-19

Seit November 2024 gibt es die Blankoverordnung auch in der Physiotherapie. Sie verschafft dir mehr Therapiehoheit & ein neues Set Spielregeln. Dieser Leitfaden bringt EX-Diagnosegruppen & Ampelsystem auf den Punkt, ohne dass du dich durch hundert Seiten Rahmenvereinbarung quälen musst. Stand 2026, ohne Garantien. Aktuelle Stände immer bei deinem Berufsverband prüfen.
Was ist die Blankoverordnung in der Physiotherapie?
Bei der Blankoverordnung verordnet die Ärztin nur die Diagnose & die Diagnosegruppe — Heilmittelauswahl, Therapiefrequenz & Therapiemenge legst du als Physiotherapeut:in selbst fest. Du übernimmst damit mehr Verantwortung für den Therapieerfolg, hast aber auch größeren Spielraum.
Im Gegensatz zur „normalen“ Verordnung steht auf einer Blanko-VO also kein konkretes Heilmittel wie KG, MT oder MLD, nur der Anlass. Die Therapieentscheidung kommt von dir.
Was ist der Unterschied zur klassischen Verordnung?
Bei der klassischen Verordnung gibt die Ärztin Heilmittel, Frequenz & Therapiemenge konkret vor. Du führst die verordnete Therapie durch. Bei der Blankoverordnung stehen Diagnose & Diagnosegruppe fest, alles andere bestimmst du nach Befund.
Die Folge: weniger Telefonate mit Praxen wegen „falscher“ Heilmittelauswahl, dafür mehr Verantwortung in der Befundung & Verlaufsdokumentation.
Wer darf eine Blankoverordnung annehmen?
Grundsätzlich jede zugelassene Physiotherapie-Praxis nach § 124 SGB V. Stand 2026 braucht es keine separate Zusatzqualifikation. Empfehlenswert sind aber:
- Fortbildung in Befundung & Clinical Reasoning
- saubere Verlaufsdokumentation (z. B. mit Funktions- & Schmerzscores)
- klare Teamabsprache, wer welche Indikationen blanko führt
Welche Diagnosegruppen sind erlaubt? (EX-Codes im Überblick)
Blanko-fähig sind ausgewählte Diagnosegruppen, die mit dem Präfix EX gekennzeichnet sind. Eine grobe Übersicht (Stand 2026, ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
EX-Code | Diagnosegruppe | Typische ICD-10-Beispiele | Typische Heilmittel |
|---|---|---|---|
EX1 | Erkrankungen der Wirbelsäule | M54.5, M51.1, M53.1 | KG, MT, KGG |
EX2 | Erkrankungen der Extremitätengelenke | M75.0, M17.x, M25.5 | KG, MT, KGG |
EX3 | Erkrankungen Bewegungsapparat nach OP/Unfall | S82.x, M96.x, T93.x | KG, MT, KGG, MLD |
EX4 | Neurologische Erkrankungen (ausgewählte) | G35.x, I69.x, G20.x | KG-ZNS, KG, MT |
Die genaue Codeliste pflegt der G-BA in der Heilmittelrichtlinie. Was nicht EX ist, läuft weiter als klassische VO.
Was tun, wenn die Verordnung uneindeutig ist?
In der Praxis kommt es vor, dass eine Ärztin EX-Diagnosegruppe & konkretes Heilmittel gleichzeitig einträgt. Stand 2026 entscheidet die Krankenkasse im Zweifel restriktiv. Praxistipp:
- bei Unsicherheit kurze Rücksprache mit der verordnenden Praxis
- VO-Korrektur per Stempel & Datum nachholen lassen
- Telefonnotiz mit Datum, Name, Inhalt im System hinterlegen
Das Ampelsystem: Grün/Rot verstehen & Absetzungen vermeiden
Das Ampelsystem schützt vor übermässig hohen Behandlungsmengen. Vereinfacht:
- Grüne Phase: Die Behandlungsmenge liegt im typischen Korridor für die Diagnosegruppe. Vergütung läuft normal.
- Rote Phase: Die Praxis überschreitet einen statistisch definierten Schwellenwert. Krankenkassen können Behandlungen nachträglich absetzen oder Stellungnahmen anfordern.
Die Schwellen werden auf Basis von Praxisdurchschnittswerten berechnet. Wer durchgängig in der Roten Phase liegt, sollte Dokumentation & Therapieplanung kritisch prüfen.
Beispiel-Ampel pro Diagnosegruppe
Diagnosegruppe | Grünkorridor | Rotschwelle ab |
|---|---|---|
EX1 Wirbelsäule | 6–12 Einheiten | ca. 18 Einheiten |
EX2 Extremitätengelenke | 6–10 Einheiten | ca. 15 Einheiten |
EX3 nach OP/Unfall | 10–18 Einheiten | ca. 24 Einheiten |
EX4 Neurologie | 12–24 Einheiten | ca. 36 Einheiten |
Die konkreten Werte stehen in den Rahmenanlagen & werden regelmässig nachjustiert. Achte auf das Standdatum.
Dokumentation: Diese Felder sind Pflicht
Weil du selbst entscheidest, was du behandelst, musst du auch sauber dokumentieren. Pflichtinhalte:
- Therapieziel (SMART formuliert, z. B. „Schmerzreduktion VAS 7 → 3 in 6 Wochen“)
- Wahl des Heilmittels & Begründung
- Therapieplan (Frequenz, Dauer)
- Verlaufsmessungen (z. B. Schmerzskala, Funktionsscore)
- Therapiebericht spätestens bei Abschluss
Fehlt einer dieser Punkte, riskierst du Absetzungen.
Schritt-für-Schritt-Workflow für eine Blanko-VO
- Verordnung prüfen — ist die Diagnosegruppe EX?
- Befund erheben (z. B. Schmerzanamnese, Bewegungsausmass, Funktionsscore).
- SMART-Therapieziel formulieren & im System hinterlegen.
- Heilmittel auswählen & kurz begründen.
- Frequenz & Therapiemenge festlegen (an Ampelkorridor orientieren).
- Termine planen — bevorzugt im 14-Tage-Korridor.
- Verlaufsmessungen nach festem Raster durchführen (z. B. alle 4 Termine).
- Therapiebericht spätestens beim Abschluss erstellen.
Wer diesen Workflow im System hinterlegt, vergisst keine Pflichtfelder mehr.
Häufige Fragen zur Blankoverordnung Physiotherapie
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