Zum Inhalt springen
Telematikinfrastruktur

DiGA für die Heilmittelpraxis: Apps auf Rezept als Therapie-Ergänzung

DiGA in der Heilmittelpraxis: Wie BfArM-zertifizierte Apps auf Rezept Physio-, Ergo- und Logopädie ergänzen - Verschreibung, Verzeichnis und Workflow erklärt.

2026-07-14

DiGA in der Heilmittelpraxis

Apps auf Rezept klingen erstmal wie ein Werbeversprechen - sind aber seit 2020 Realität. Auch in der Heilmittel-Welt spielen DiGAs eine zunehmend grössere Rolle. Was du als Therapeut:in dazu wissen solltest, steht hier.

Definition: Was ist DiGA?

Eine DiGA (Digitale Gesundheitsanwendung) ist eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zertifizierte App oder Web-Anwendung, die Patient:innen auf Kassen-Rezept verschrieben bekommen. Sie soll Krankheiten erkennen, lindern oder behandeln - als digitale Ergänzung zur klassischen Therapie. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Hintergrund & rechtlicher Rahmen

Grundlage ist das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) aus dem Jahr 2019, kombiniert mit § 33a SGB V. Aufgenommen werden DiGAs ins offizielle Verzeichnis nach einem zweistufigen Verfahren beim BfArM: vorläufige Aufnahme (Probelauf) und endgültige Aufnahme nach Nachweis des positiven Versorgungseffekts.

Alle zugelassenen DiGAs findest du tagesaktuell auf diga.bfarm.de (https://diga.bfarm.de). Stand 2026 sind mehrere Dutzend Anwendungen verfügbar - Tendenz steigend.

Anwendung im Heilmittel-Praxisalltag

Für Heilmittelpraxen sind besonders DiGAs aus diesen Bereichen relevant:

  • Rückenschmerz & Bewegungsapparat: Apps mit angeleiteten Übungen, oft als Ergänzung zur Physiotherapie.
  • Tinnitus & HNO: relevant für Logopäd:innen mit Stimmtherapie-Schwerpunkt.
  • Kognitive Funktionen & Schlaganfall: passend zur Ergotherapie und Neurologie.
  • Stress, Schlaf, mentale Gesundheit: Cross-over mit psychotherapeutischen Praxen, aber relevant für Patient:innen mit somatoformen Beschwerden.

Die DiGA verschreibt die Ärztin oder der Arzt - als Therapeut:in kannst du sie aber gezielt empfehlen, wenn sie zu deinem Therapieplan passt. Patient:innen lösen den Freischaltcode bei ihrer Krankenkasse ein und nutzen die App in Eigenregie.

Verwandte Begriffe & Abgrenzung

  • DiPA: Digitale Pflegeanwendung, das Pendant für die Pflege.
  • eVO: elektronische Verordnung - bezieht sich auf Heilmittel, nicht auf DiGAs.
  • BfArM-Verzeichnis: zentrale Quelle für alle erstattungsfähigen DiGAs.

Schnittstellen zur Praxisroutine

Die DiGA läuft nicht in deiner PVS, sondern bei den Patient:innen auf dem Smartphone. Trotzdem lohnt es sich, in der Anamnese zu fragen: "Nutzt du eine App auf Rezept?" - und in deiner Dokumentation zu vermerken, welche Übungen die Person digital parallel macht. So vermeidest du Überforderung und kannst dein Therapieprogramm besser abstimmen.

tinana bietet dafür Notizfelder und ein eigenes Anamnese-Modul, in dem du DiGA-Nutzung dokumentierst.

Häufige Fragen

Wer verschreibt eine DiGA?

Verschrieben werden DiGAs von Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen mit Kassenzulassung. Du als Heilmittel-Therapeut:in kannst eine DiGA empfehlen, aber nicht verordnen. Patient:innen können sich die App alternativ auch direkt bei der Krankenkasse beantragen, wenn die Diagnose passt - das nennt sich Genehmigungsweg ohne Arzt-Rezept.

Welche DiGAs gibt es für Heilmittel?

Im BfArM-Verzeichnis findest du DiGAs unter anderem für Rückenschmerz, Tinnitus, Bewegungsmangel, Stress und kognitives Training. Eine aktuelle, gefilterte Übersicht bietet diga.bfarm.de. Filtere nach Indikation, um passende Apps für deine Patient:innen mit physio-, ergo- oder logopädischem Schwerpunkt zu finden.

Können Therapeut:innen DiGAs empfehlen?

Ja, das ist erlaubt. Du darfst Patient:innen auf zugelassene DiGAs hinweisen, wenn sie zum Therapieziel passen. Die Verschreibung läuft dann über die behandelnde Ärztin oder die Krankenkasse. Wichtig: keine Werbe-Provisionen annehmen und nur Apps aus dem BfArM-Verzeichnis empfehlen - alles andere wäre berufsrechtlich heikel.

Wie integriert sich eine DiGA in den Therapieplan?

Am sinnvollsten als Ergänzung zur Präsenztherapie: Übungen für zuhause, Symptom-Tagebuch, Edukation. Frag in der Anamnese gezielt nach DiGA-Nutzung und stimme deine Therapieinhalte darauf ab. So vermeidest du Doppelungen und kannst die Selbstwirksamkeit deiner Patient:innen gezielt fördern.

Du willst DiGA-Nutzung sauber dokumentieren?

Anamnese, Therapieplan und Notizen an einem Ort.

Digitale Dokumentation mit tinana