Telematikinfrastruktur für Heilmittelpraxen – der Leitfaden

Die <strong>Telematikinfrastruktur (TI)</strong> ist das sichere Datennetz des deutschen Gesundheitswesens. Auch Heilmittelpraxen müssen anschließen, damit ihr digitale Verordnungen empfangen, Kommunikation im Medizinwesen (KIM) nutzen und auf die elektronische Patientenakte (ePA) zugreifen könnt. Dieser Leitfaden bündelt das Wichtigste zu Pflicht, Kosten, Komponenten und Praxisalltag – speziell für Physio-, Ergo-, Logopädie- und Podologiepraxen.

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Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das sichere Datennetz des deutschen Gesundheitswesens. Auch Heilmittelpraxen müssen anschließen, damit ihr digitale Verordnungen empfangen, Kommunikation im Medizinwesen (KIM) nutzen und auf die elektronische Patientenakte (ePA) zugreifen könnt. Dieser Leitfaden bündelt das Wichtigste zu Pflicht, Kosten, Komponenten und Praxisalltag – speziell für Physio-, Ergo-, Logopädie- und Podologiepraxen.

Was ist die Telematikinfrastruktur?

Die TI ist das geschlossene, hochsichere Netz, in dem Ärzt:innen, Krankenhäuser, Apotheken und zunehmend auch Heilmittelerbringer:innen Gesundheitsdaten austauschen. Sie wird von der gematik betrieben und schreibt Standards für Authentifizierung, Verschlüsselung und Übertragung vor.

Für deine Heilmittelpraxis heißt das: Verordnungen, Berichte und Patientendaten lassen sich digital, sicher und kassenkonform austauschen – ohne Fax, ohne Papier, ohne unsichere E-Mail.

Pflicht & Fristen

Heilmittelpraxen sind nach §§ 311 ff. SGB V verpflichtet, sich an die TI anzuschließen. Die Anbindung wird schrittweise verbindlich – zuletzt mit Frist 01.10.2027 für die vollständige Nutzung der Kernanwendungen (Stand 2026, bitte aktuelle gematik-Vorgaben prüfen).

  • Nicht angeschlossene Praxen riskieren Sanktionen bei der Vergütung.
  • Die elektronische Heilmittelverordnung (eVO) wird zur Pflicht – Papierverordnungen laufen schrittweise aus.
  • Plant den Anschluss frühzeitig: SMC-B und eHBA haben Wartezeiten von mehreren Wochen.

Kosten & Förderpauschale

Die TI wird über eine monatliche Pauschale der Krankenkassen refinanziert. Stand 2026 liegt sie bei rund 207,93 € pro Monat je Praxis (Wert konfigurierbar, bitte aktuell prüfen). Sie deckt typischerweise:

  • Konnektor / TI-Gateway
  • SMC-B (Praxisausweis)
  • VPN-Zugangsdienst
  • KIM-Postfach
  • Wartung & Updates

Wer früh anschließt, sichert sich die volle Pauschale; verspätete Anbindung kann Kürzungen auslösen. Eine transparente Übersicht inklusive Rechner findest du auf der tinana TI-Seite.

KIM, ePA & eVO – kurz erklärt

Drei Anwendungen, die in deiner Praxis am häufigsten relevant sind:

KIM – Kommunikation im Medizinwesen

KIM ist die sichere E-Mail des Gesundheitswesens. Damit tauscht du verschlüsselt Berichte, Arztbriefe oder Rückfragen mit Ärzt:innen und Kliniken – statt Fax oder unverschlüsselter Mail. Mehr im KIM-Ratgeber.

ePA – elektronische Patientenakte

Die ePA bündelt Befunde, Medikationspläne und Therapieberichte zentral. Mit Einwilligung der Patient:innen können Heilmittelerbringer:innen lesend (und perspektivisch schreibend) zugreifen.

eVO – elektronische Heilmittelverordnung

Die eVO ersetzt das rosa Papierrezept. Verordnungen kommen digital signiert direkt aus der Arztpraxis in eure Software – inklusive Diagnose, Heilmittel und Frequenz. Details im eVO-Glossar.

Voraussetzungen: SMC-B, eHBA & Konnektor

Für den TI-Anschluss braucht ihr drei Kernkomponenten:

  • SMC-B (Praxisausweis): identifiziert die Praxis als Institution – beantragt z. B. über medisign oder D-Trust.
  • eHBA (elektronischer Heilberufsausweis): persönlicher Ausweis je Therapeut:in für qualifizierte Signaturen. Details im eHBA-Ratgeber.
  • Konnektor / TI-Gateway: verbindet die Praxis sicher mit dem TI-Netz. Moderne Lösungen sind cloudbasiert – kein Hardware-Konnektor mehr nötig.

Dazu kommt ein KIM-Postfach sowie eine TI-fähige Praxissoftware.

TI mit der Praxissoftware

Eine moderne Praxissoftware nimmt euch die Komplexität der TI ab: KIM-Postfach, ePA-Zugriff und eVO-Empfang laufen direkt in der gewohnten Oberfläche – ohne separate Programme, ohne Medienbruch.

In tinana ist die TI-Anbindung ohne Zusatzmodule enthalten: eingehende eVOs landen automatisch im richtigen Patient:innenakt, KIM-Nachrichten werden im Postfach geführt, ePA-Zugriffe sind protokolliert. Wer von einer Altlösung wechselt, sieht im Praxissoftware-Vergleich, wie unterschiedlich Anbieter mit der TI umgehen.

TI-Anschluss-Checkliste

  • SMC-B beantragt – Praxisausweis bei medisign oder D-Trust.
  • eHBA je Therapeut:in beantragt – Lieferzeit oft 4–8 Wochen einplanen.
  • TI-Gateway / Konnektor ausgewählt – Cloudbasiert spart Wartung & Hardwarekosten.
  • KIM-Postfach eingerichtet – Eigene Adresse für sichere Arzt-Kommunikation.
  • TI-fähige Praxissoftware im Einsatz – eVO-Empfang & ePA-Zugriff ohne Medienbruch.
  • Förderpauschale beantragt – Damit die monatliche Refinanzierung läuft.

TI-Komponenten im Überblick (Stand 2026, ca.-Werte)

KomponenteWofürWer braucht es?
SMC-BIdentifiziert die PraxisJede Praxis: 1×
eHBAPersönliche SignaturJede:r Therapeut:in
Konnektor / TI-GatewaySichere Anbindung an die TIJede Praxis
KIM-PostfachSichere E-Mail im GesundheitswesenJede Praxis
Praxissoftware mit TIeVO, ePA & KIM nutzbar machenJede Praxis

Häufige Fragen

Sind Heilmittelpraxen wirklich zur TI verpflichtet?

Ja. Nach §§ 311 ff. SGB V müssen auch Heilmittelerbringer:innen anschließen. Stand 2026 ist der 01.10.2027 die maßgebliche Frist für die vollständige Nutzung; bitte aktuelle gematik-Vorgaben prüfen.

Was kostet die TI – und gibt es eine Förderung?

Die Krankenkassen erstatten die TI-Kosten über eine monatliche Pauschale (Stand 2026 ca. 207,93 €/Monat). Sie deckt Konnektor, SMC-B, VPN, KIM, Wartung und Updates in der Regel ab.

Brauche ich einen Hardware-Konnektor in der Praxis?

Nein. Moderne TI-Gateways laufen cloudbasiert – ohne Hardware vor Ort. Das reduziert Wartung, Hardware-Kosten und Ausfallrisiken.

Was ist der Unterschied zwischen SMC-B und eHBA?

Die SMC-B identifiziert die Praxis als Institution (1× pro Praxis). Der eHBA ist der persönliche Heilberufsausweis (1× pro Therapeut:in) und ermöglicht qualifizierte elektronische Signaturen.

Wie schnell läuft die TI in der Praxis?

Mit einer Cloud-Praxissoftware wie tinana und einem cloudbasierten Gateway ist die Anbindung in Tagen statt Wochen umsetzbar. Längster Faktor sind die Wartezeiten für SMC-B und eHBA.

Was passiert, wenn ich nicht anschließe?

Praxen ohne TI-Anschluss riskieren ab den jeweiligen Stichtagen Vergütungskürzungen und können eVOs irgendwann nicht mehr empfangen.